Das Konzert des Jahres ist zu Ende!
und hat wohl alle Erwartungen mehr als erfüllt. Wir sind sehr stolz, dass wir den mehr als tausend Zuhörern ein solch hochkarätig besetztes Konzert haben präsentieren dürfen. Selten gab es wohl mehr positive Resonanz auf ein reines Männerchorkonzert.
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Männerchor CÄCILIA Lindenholzhausen
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 Harmonie Lindenholzhausen
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 Sängervereinigung 1875/99 Freigericht-Neuses
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 MGV Sängerbund Dehrn
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 MGV Liederkranz Cleeberg
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Fotos: G. Will

Chormusik auf neuen Wegen Von Anneke Jung
Limburg. Sie sind nicht nur Klasse, sondern einfach eine Klasse für sich! Die großen Männerchören mit achtzig und mehr Sängern. Was vielerorts als Relikt aus vergangenen Epochen angesehen wird, erfährt in diesen Ensembles eine hingebungsvolle Pflege, mehr noch, es erstrahlt neu in einem durchaus zeitgemäßen, frischen Erscheinungsbild. Sicher spielt ein gewisses Traditionsbewusstsein eine wichtige Rolle für solche Gruppierungen, aber um so viele Menschen bei der Stange zu halten, genügt das allein nicht. Aufgeschlossenheit für Veränderungen des musikalischen Geschmacks und der Literatur müssen ebenfalls vorhanden sein. Welch beeindruckende Ergebnisse dann erreicht werden können, das zeigten am Sonntag fünf dieser Ensembles in der Josef-Kohlmaier-Halle. Eingeladen vom Männerchor Cäcilia Lindenholzhausen, präsentierten sich neben den Gastgebern die Harmonie Lindenholzhausen, die Sängervereinigung Freigericht-Neuses, der MGV Sängerbund Dehrn und der MGV Liederkranz Cleeberg mit ausgewählten Liedvorträgen von ihrer besten Seite. Was bei allen Chören gleichermaßen beeindruckte, war die Vielseitigkeit. Lang vorbei sind die Zeiten, in denen man sich auf die Interpretation traditionellen deutschen Liedgutes einerseits und zwar anspruchsvoller, aber oft ungeliebter Wettbewerbsliteratur andererseits beschränken musste. Da hat sich zum Glück auch in der Chorkompositionen in den zurückliegenden Jahren viel bewegt und es gibt eine Fülle an modernen Werken jeglicher Stilrichtung, die höchsten Ansprüchen genügen.
So war es auch nicht verwunderlich, dass die weitaus meisten gesungenen Stücke aus dem 20. und 21. Jahrhundert stammten. Ein ausgesprochen dramatisches Werk aus der Feder von Veljo Tormis hörte man gleich zu Beginn von der Cäcilia, dirigiert von Matthias Schmidt. „Incantatio maris aestousi“ schuf der Komponist in Erinnerung an den Untergang der Fähre „Estonia“. Hier wird mit modernen Gestaltungsmittel wie Singen, Flüstern und Pfeifen und komplizierter Polyphonie die bedrohliche Atmosphäre einer stürmischen See beschworen. Die gut neunzig Sänger begeisterten mit einer ausdrucksstarken Interpretation, die die ganze dynamische Bandbreite umfasste. Präzises Zusammenwirken der einzelnen Stimmen, perfekte Deklamation und kraftvolle Klangentwicklung ermöglichten ein besonderes Hörerlebnis. Mitreißend und schwungvoll geriet der letzte Vortrag des Chores, die „Saltarelle“ von Camille Saint Saens. Der rasant vorwärts peitschende Triolenrhythmus wurde aufs temperamentvollste realisiert und trotzdem konnte man den französischen Text in weiten teilen sogar verstehen. Eine tolle Wiedergabe, die mit reichlich Beifall bedacht wurde.
Die Harmonie unter der Leitung von Martin Winkler hatte eine gelungene Mischung von zeitgenössischer und romantischer Musik im Programm und bot zu Beginn große Gefühle mit „Rock of Ages“ von Michael Cox. Eine für einen so großen Chor höchst ungewöhnliche Beweglichkeit und Geschmeidigkeit im Klang, selbst bei großer Lautstärke, ist eines der Charakteristika dieses Ensembles. Die Harmonisten warteten an diesem Nachmittag sogar mit einer Uraufführung auf. „Tyger, Tyger burning bright!“ von Brian Hughes zeigt auf spannungsgeladene Weise, dass die Tiger dieser Welt den Lämmern doch wohl überlegen sind. Dass sie sich auch auf die Traditionen aufs Feinste verstehen, bewiesen die Herren dann mit einer „Untreue“ von Silcher zum Dahinschmelzen.
Gerd Zellmann ist der musikalische Leiter der Sängervereinigung aus Neuses und auch er hat seine Sänger bestens geschult. Ein angenehm druckfreier, gut ausbalancierter Chorklang und intelligente Interpretationen zeichnen das Ensemble aus, das sich mit zwei Stücken für Männerchor von Sven-David Sandström ins beste Licht setzte. Im „Kyrie“ fallen die wirkungsvoll eingesetzten Glissandi besonders auf, während „…und wieder Windhauch“ aus dem Wechsel von Gesamtchor mit einzelnen Gruppen und Sprechsolisten lebt – ein interessantes und ausdrucksvolles Werk. Dass sich die Herren auch im Jazzbereich wohl fühlen, bewiesen sie mit der Spiritualvertonung „Witness“ von Moses Hogan.
Das anrührende Stück „Agonie“ von Carlo Boller stand am Beginn der Vorträge des Sängerbunds Dehrn unter dem Dirigenten Michael Rinscheid. Klangschön intonierend und feinfühlig im Ausdruck zeigten die Sänger sich von ihrer besten Seite. Mit dem temperamentvollen „I bröllopsgarden“ des hierzulande selten gehörten Schweden Jakob August Södermann entführten sie die Hörer zu einem schwungvollen schwedischen Hochzeitsfest. Das afrikanisch angehauchte „Siyahamba“ mit Trommel- und Klavierbegleitung von Gottfried Hermann rief stürmischen Beifall hervor.
Ebenfalls unter der Leitung von Matthias Schmidt steht der Liederkranz Cleeberg. In dem Chor gibt es eine erfreulich große Zahl junger Sänger, die beweist, dass dieses Genre der Chormusik noch lange nicht am Ende ist. Auch bei diesem Chor legt Schmidt offenbar großen Wert auf eine einwandfreie Aussprache und große Bandbreite der dynamischen Entwicklungsmöglichkeiten. Kraftvoll und strahlend gelang so „I will praise thee, o Lord“ von Knut Nystedt. Pfiffig und mitreißend kam dann das in geradezu halsbrecherischem Tempo gesungene „What shall we do“ von Robert Shaw. Auch hier gab es zum Schluss einen unterhaltsamen Ausflug in die Popmusik mit dem stilsicher interpretierten „Only you“ von Henry S. Matthew. Mit der Zugabe der Cleeberger „Rosestock, Holderblüh“ stand dann doch ein Silcher-Lied am Schluss eines großartigen Chorkonzertes, das von Hans Joachim Schupp in charmant-lockerer Weise moderiert wurde.
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